Ettore Sottsass


Ettore Sottsass

Ettore Sottsass

 

In meinem Projekt zu Ettore Sottsass habe ich mich zunächst aus zwei unter­schiedlichen Perspektiven mit Sottsass beschäftigt. Zum einen habe ich die Teller der frühen Serie 2 analysiert. Ich wollte herausfinden, was ihren ästhetischen Reiz ausmacht. Die Teller sind mit geometrisch konsequenten Zeichnungen versehen, die sich alle mit dem Kreis beschäftigen. Die Zeichnungen sind so harmonisch wie der Kreis an sich und durch beruhigende oder auch warme Farben unterstützt. Sie führen den Blick des Betrachters in die Mitte, das Wesentliche des Tellers.Zum anderen habe ich mich mit der Funktionalität der Sottsass Objekte befasst. Ich fand die Aussage zu plump, eine Vase sei eine Vase, weil sie ein Loch besitzt um Blumen hineinzustecken. Um das Gebiet für mich zu erschließen, habe ich eine Reihe Objekte angefertigt, die ich auf unterschied­liche Weise ihrer Funktion beraubt habe – eine Tasse mit Gips gefüllt, einem Buch das letzte Kapitel ausgerissen, die Übersetzungen aus einem Wörter­buch übermalt, dem T-Shirt die Ärmel zugenäht. Danach habe ich den Ring auf seine Funktionalität untersucht. Das Minimum eines Ringes ist die Öffnung für einen Finger, aber auch der Platz für den nächstliegenden Finger (mindestens einen Nachbar-Finger, wenn es ein Ring für den kleinen Finger ist). Das für mich angenehme Minimum eines Ringes ist ein einfacher silberner Runddraht, der zu einem Ring gebogen und zugelötet ist. Der Eindruck von einem Ring wird dabei durch die Form und das Materi­al unterstützt. Mir ist durchaus bewusst, dass auch ein Messingring ein Ring ist, aber eben nicht mehr so sehr Schmuckring. Von diesem Minimum ausgehend habe ich durch Addition vieler Kreise (Rin­ge) Ringe gestaltet. Die Addition ist ein so häufig vorkommendes Stilmittel bei Sottsass, dass ich es nicht auslassen wollte. Eine Reihe Ringe sind Arche­typen, die entstehen, wenn man ausschließlich Kreise der gleichen Größe addiert. Die zweite Reihe entsteht, wenn man den Raum um den Ring zunächst komplett füllt und dann auf mehrere Ringe verteilt, um es tragbar zu machen. Die dritte Reihe bezieht sich ganz direkt auf die Teller Sottsass' und formt diese zu Ringen um. Zusätzlich habe ich noch einige Experimente angestellt, was passiert, wenn der Raum zwischen den Kreisen zum eigent­lich Interessanten wird.